Wednesday, April 15, 2026
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“Ist das dein Ernst?” – Sergej Barbarez mit Wutreaktion auf Rücktrittsfrage

Nach der historischen Niederlage der bosnischen Nationalmannschaft gegen Deutschland mit 0:7 in Freiburg sah sich Trainer Sergej Barbarez mit einer Reihe unangenehmer Fragen konfrontiert. Besonders in den ersten Minuten der Pressekonferenz wurde die katastrophale Bilanz der letzten 14 Spiele thematisiert – nur zwei Siege, darunter einer gegen das „Amateurteam“ Liechtenstein, und zwölf Niederlagen, einschließlich der Schmach im heutigen Spiel.

Barbarez, der sich ruhig, aber bestimmt zeigte, reagierte auf die kritische Frage von Eldar Ganibegović, einem Kollegen von SportSport.ba, ob er über einen Rücktritt nachdenke, völlig echauffiert.

„Ist das dein Ernst? Du solltest dann besser gar nichts fragen. Alle deine Fragen sind so formuliert. Ich wäre nicht der Sportler und der Mensch der ich bin, wenn ich über solche Dummheiten nachdenken würde. Deswegen sind wir auch da wo wir sind, wenn wir Liechtenstein als Amateurmannschaft bezeichnen. Natürlich tun solche Ergebnisse weh, aber wir sind nicht aufs Spielfeld gegangen um uns was einzubilden.”

Die Zusammenstellung der Mannschaft war ein weiterer Diskussionspunkt. Besonders die Entscheidung, Spieler wie Omerović und Muharemović, die in der Nationalmannschaft nur begrenzte Spielpraxis vorweisen können, sowie Tahirović, der bei Ajax in einer Formkrise steckt, in der Startelf zu bringen, sorgte für Fragen. Barbarez erklärte, dass die Entscheidung mit Blick auf die Vielzahl von Verletzungen und der aktuellen Verfassung einiger Spieler getroffen wurde. „Wir mussten nahezu bei jedem Termin 5-6 Spieler nachberufen. Das zeigt, wie begrenzt unsere Auswahlmöglichkeiten sind“, so Barbarez. Auch die Entscheidung, Edin Džeko auf die Bank zu setzen, wurde nach intensiven Gesprächen getroffen, da der erfahrene Angreifer zuletzt viele Spiele bestritten hatte. „Es hätte keinen Sinn gemacht, ihn einzusetzen, besonders nach einer so schlechten ersten Halbzeit.“

Auf den Hinweis, dass Barbarez als Teil eines langfristigen Projekts – dem vierjährigen Plan für die Nationalmannschaft – durchaus Rückhalt genießt, reagierte der Trainer mit einer nüchternen Einschätzung. „Es tut weh, aber wir müssen realistisch bleiben. Deutschland ist in allen Aspekten des Spiels überlegen, sowohl im Tempo als auch in der Qualität. Aber dieses Ergebnis tut uns trotzdem sehr weh.“

In Bezug auf den bisherigen Verlauf der Qualifikation und die erste Hälfte des Projekts stellte Barbarez fest, dass sich trotz der Niederlagen erste Fortschritte zeigen. „Wir sehen schon einen gewissen Grundstein, vor allem in der Berufung von Spielern und der Entwicklung der jungen Talente. Aber die Qualität der Mannschaft ist nicht konstant. Es ist noch viel zu tun.“ Barbarez betonte, dass der Weg nicht einfach sei und dass man als Team und auch als Verband Geduld haben müsse. „Es ist kein Geheimnis, dass wir mit der Breite und Tiefe des Kaders derzeit nicht konkurrenzfähig sind. Aber wir müssen realistisch bleiben, gerade auch nach solchen Niederlagen“, sagte der Nationaltrainer.

Das frühe Gegentor, das die Partie bereits in der ersten Minute auf den Kopf stellte, war ein weiterer schwerer Rückschlag für die Mannschaft. Barbarez gab zu, dass es für ein junges Team wie das bosnische schwer sei, nach einem solchen Rückstand gegen einen so starken Gegner zurückzukommen. „Wir hatten einen Plan, aber nach dem frühen Gegentor ist es sehr schwierig, den Kopf zu bewahren, vor allem bei so vielen jungen Spielern. Psychisch stabil zu bleiben ist in solchen Momenten entscheidend.“

Auch die Diskussionen über die Medienarbeit der Nationalmannschaft und den Umgang mit Journalisten kamen zur Sprache. Barbarez wies die Kritik zurück, dass die bosnischen Medienvertreter zu wenig Zugang zu den Spielern erhalten hätten. „Ich habe das nicht entschieden, sondern wurde darauf aufmerksam gemacht. Es gab am Tag darauf die offizielle Pressekonferenz, auf der alle Fragen gestellt werden konnten“, erklärte er. Der Trainer verteidigte sich gegen den Vorwurf, die Medienarbeit sei unzureichend und erklärte, dass er immer für Gespräche bereit sei. „Ich bin immer für Dialoge und habe das in der Vergangenheit auch gezeigt. Es liegt nicht an mir, aber Medien sollten sich nicht selbst ihre Narrative kreieren.“

Schließlich ging Barbarez auf die allgemeine Einschätzung der Nationalmannschaft ein und stellte klar, dass sich Bosnien-Herzegowina derzeit in einem Generationswechsel befinde. „Wir sind im dritten Topf und es wird nicht einfach. Aber ich glaube weiterhin an den Weg, den wir eingeschlagen haben“, so der Trainer. Er betonte, dass Geduld erforderlich sei, und dass es auch in der B-Division ganz anders aussehen würde: „Wir sind in einem Prozess, und auch wenn die Ergebnisse derzeit schwer zu verdauen sind, glaube ich immer noch, dass dies der richtige Weg ist.“

Die bosnische Nationalmannschaft steht also weiterhin vor einer schwierigen Aufgabe. Die katastrophale Niederlage gegen Deutschland hat die bereits bestehende Kluft zwischen der Qualität des Teams und der internationalen Konkurrenz nochmals deutlich gemacht. Doch Sergej Barbarez bleibt trotz der schweren Kritik optimistisch, dass der langfristige Plan, gepaart mit einem klaren Fokus auf die Entwicklung junger Talente, den richtigen Weg darstellt.

Die gesamte Pressekonferenz vom Nationaltrainer im Video von SportSport.ba:

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