Die bosnisch-herzegowinische Nationalmannschaft geht mit einigen personellen Fragezeichen in die anstehenden Spiele der Nations League. Cheftrainer Sergej Barbarez musste bei der Pressekonferenz mehrere Ausfälle bekanntgeben, gleichzeitig wurden mit Tahirovic, Ajdin Hasic, Arjan Malic und Luka Djuric neue Spieler nachnominiert. Trotz der schwierigen Ausgangslage blickt Barbarez optimistisch auf die kommenden Aufgaben.
„Ich bin froh, dass alle glücklich sind und da sind“, erklärte Barbarez zu Beginn der Pressekonferenz. Anschließend ging der Nationaltrainer auf die Verletzungssituation ein.
Amar Dedic hat sich erneut verletzt und die bestehende Blessur verschlimmert. Der Außenverteidiger wird voraussichtlich drei bis vier Wochen ausfallen und damit die kommenden vier Spiele der Nationalmannschaft verpassen. Auch Kerim soll trotz einer kleineren Hüftbeschwerde zur Mannschaft stoßen. „Er sollte trotzdem bei uns ankommen. Er ist gerade auf dem Weg hierher“, sagte Barbarez.
Noch schwerer wiegt der Ausfall von Busuladzic. Der Spieler hat sich ebenfalls verletzt und wird laut Barbarez rund neun Monate fehlen. Als Reaktion darauf wurden mehrere Spieler nachnominiert. Neben Tahirovic und Ajdin Hasic gehören auch Arjan Malic und Luka Djuric vom SC Paderborn zum erweiterten Aufgebot.
Vier Spiele in elf Tagen – Rotation wird entscheidend
Auf die Frage, wie wichtig angesichts von vier Spielen innerhalb von nur elf Tagen die Rotation sein werde, verwies Barbarez auf die bewusst größere Kadergröße.
„Erstmals haben wir vier Spiele in elf Tagen, deswegen war der Kader minimum 26 Spieler groß“, erklärte der Trainer. „Ich denke, dass wir einen guten Kader zusammengestellt haben. Wir haben schon Spiele gehabt mit deutlich schwächeren Kadern.“
Ob tatsächlich umfangreich rotiert werde, ließ Barbarez offen. Zunächst gehe es darum, dass alle Spieler gesund bleiben. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung der kommenden Begegnungen.
„Das Ergebnis in der Nations League ist wichtig, wichtig ist das Selbstvertrauen und wir wollen zeigen, wer wir sind“, sagte Barbarez. Durch die hohe Belastung werde es ausreichend Möglichkeiten geben, verschiedene Spieler einzusetzen. Auch taktische Veränderungen seien möglich: „Vermutlich werden wir auch das System etwas abändern.“
EM-Qualifikation 2028 als großes Ziel
In der Gruppe gehe es für Bosnien und Herzegowina nicht ausschließlich um kurzfristige Ergebnisse. Barbarez machte deutlich, dass der langfristige Fokus auf der Qualifikation für die Europameisterschaft 2028 liegt.
„Größtes Ziel ist die EM-Quali“, stellte der Nationaltrainer klar. Zwar werde man selbstverständlich auf die Ergebnisse in der Nations League schauen, gleichzeitig wolle man auch Spieler testen und weiterentwickeln. Zudem könnten die Resultate Auswirkungen auf die spätere Auslosung haben.
Auch Verbandsdirektor Emir Spahic sieht den aktuellen Zyklus als wichtigen Schritt beim Aufbau der Mannschaft. Neue Spieler sollen weiterhin ihre Chance erhalten.
„Natürlich habe ich immer neue Spieler. Es werden auch neue kommen“, sagte Spahic. Gerade die aktuelle Belastung zeige, wie wichtig ein breiter Kader sei. „Wir wollen im Kader die Qualität auch erhöhen.“
Spahic betonte dabei seine Rolle im Zusammenspiel mit dem Trainer: „Der Trainer ist da aber die Hauptfigur, die entscheidet. Meine Aufgabe ist es, ihm adäquate Lösungen zu bieten.“ Der Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Das alles ist trotzdem noch erst der Anfang, es werden sicher weitere neue Namen kommen.“
Wer übernimmt nach Dzeko die Führungsrolle?
Mit dem bevorstehenden Ende der Ära Edin Dzekos stellt sich zwangsläufig die Frage nach einem neuen Führungsspieler. Spahic sieht dabei vor allem die erfahrenen Akteure in der Pflicht.
„Ich denke mal, dass die Älteren jetzt erstmal die Spieler tragen müssen. Die jungen Krieger werden ganz schnell zu Leadern aufsteigen“, sagte der ehemalige Kapitän. Einen direkten Nachfolger für Dzeko wolle er nicht benennen. „Die Zeit wird schon einen neuen Dzeko hervorrufen.“
Auch Barbarez sieht mehrere Kandidaten für eine Führungsrolle. Besonders Sead Kolasinac hob der Trainer hervor.
„Das Spielfeld zeigt die Leader“, erklärte Barbarez. Kolasinac sei trotz seiner Zurückhaltung außerhalb des Platzes ein wichtiger Faktor: „Auch wenn er keine Interviews macht. Er macht alle am Spielfeld besser.“
Neben Kolasinac nannte Barbarez unter anderem Ermedin Demirovic, Nikola Katic und Torhüter Nikola Vasilj. Auch Tarik Muharemovic und Amar Dedic könnten langfristig Verantwortung übernehmen. Bei den jüngeren Spielern wolle man allerdings zunächst deren weitere Entwicklung abwarten. „Warten wir mal, bis diese sich in der Premier League festigen“, sagte Barbarez.
Neue Gesichter im Nationalteam
Mit mehreren Nachnominierungen bekommt die Mannschaft auch neue Impulse. Barbarez erklärte, warum einige der Spieler nun ihre Chance erhalten.
Torhüter Hamzic stehe bereits seit längerer Zeit im Fokus des Trainerteams. „Hamzic ist jemand, mit dem wir seit zwei Jahren Kontakt haben. Wir haben auf den richtigen Moment gewartet“, sagte Barbarez. Er bezeichnete den Schlussmann als „sehr, sehr talentierten Torwart, dem die Zukunft gehört“.
Bei Ajdin Hasic habe das Trainerteam ebenfalls bereits mehrfach genauer hingeschaut. Auf seiner angestammten Position sei die Konkurrenz mit Spielern wie Memic und Bajraktarevic groß. Nun erhalte Hasic die Möglichkeit, sich auf dem Flügel zu beweisen.
Auch Smajlovic werde bereits seit seiner Zeit in Lecce beobachtet. Aktuell befinde er sich bei Olympiakos in einer schwierigen Situation, Barbarez gehe jedoch davon aus, dass er seine Einsatzchance bekommen werde.
Positiv äußerte sich der Nationaltrainer zudem über Nail Omerovic. „Mich freut es auch, dass Nail Omerovic wieder dabei ist. Er hat einen guten Transfer gemacht und gestern gespielt. Mich freut es, dass er einen Schritt nach vorne ging.“
Keine neue Diskussion um Hasagic
Auch die Trennung von Kenan Hasagic wurde bei der Pressekonferenz angesprochen. Hasagic hatte sich zuletzt in den sozialen Medien kritisch über seine Entlassung geäußert.
Spahic wollte sich dazu nicht ausführlich äußern: „Ich wünsche Kenan alles Gute im Leben. Habe keinen Kommentar.“
Barbarez erklärte hingegen die Entscheidung aus Sicht des Trainerteams. „Wir haben Hasagic entfernt, weil wir neue Ideen haben, neue Energie haben wollten, das war’s“, sagte er.
Eine öffentliche Diskussion über die Entscheidung aufgrund von Social-Media-Beiträgen lehnt Barbarez ab. „Nur weil jemand auf Social Media etwas postet, gibt das kein Recht, dass wir deswegen eine Diskussion starten“, erklärte der Nationaltrainer.
WM-Teilnahme hilft bei Gesprächen mit Spielern
Ob die Teilnahme an der Weltmeisterschaft dabei hilft, Spieler für Bosnien und Herzegowina zu gewinnen, beantwortete Spahic differenziert.
„Keine Ahnung, ob es leichter oder schwerer ist“, sagte er. Mit den aktuell nominierten Spielern habe man ohnehin schon länger Kontakt gehabt. Die WM könne die Gespräche aber erleichtern.
„Die WM erleichtert sicher einiges. Aber wir haben immer noch die Notwendigkeit, dass wir andere Spieler überzeugen müssen“, so Spahic.
Ein Beispiel ist Dzenan Pejcinovic. Spahic berichtete, dass er sowohl mit dem Spieler als auch mit dessen Vater Kontakt gehabt habe. Die Gespräche seien allerdings schnell beendet gewesen.
„Er meinte sofort, dass er in uns keine Option sieht und nur für Deutschland spielen will“, erklärte Spahic.
Vorbereitung auf Polen und Rumänien
Auch die Vorbereitung auf die kommenden Nations-League-Spiele war Thema. Dabei sieht Barbarez vor allem bei den Trainingsplätzen in Bosnien und Herzegowina Verbesserungsbedarf.
„Wir haben echt Probleme mit den Spielfeldern“, sagte der Nationaltrainer. Darüber müsse man auch mit dem Präsidenten des Verbandes sprechen. Als positives Beispiel verwies Barbarez auf Toronto, wo ihm gezeigt worden sei, „wie leicht es ist, gute Eigenschaften fürs Training herzustellen“.
Die Mannschaft wird zunächst drei Trainingseinheiten im Stadion Grbavica absolvieren. Am Donnerstag geht es anschließend nach Polen. Dort bleibt das Team und trainiert weiter, ehe die Mannschaft einen Tag vor dem Spiel nach Bukarest weiterfliegt. Danach geht es wieder zurück nach Bosnien und Herzegowina.
Trotz der personellen Rückschläge blickt Barbarez voller Vorfreude auf die kommenden Aufgaben: „Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.“
Die Nations League soll damit nicht nur sportlich wichtige Ergebnisse bringen, sondern zugleich als weiterer Baustein für den Aufbau einer Mannschaft dienen, die in den kommenden Jahren um die Qualifikation für die Europameisterschaft 2028 kämpfen soll.



