Nach der Weltmeisterschaft hat sich unser Kader um ein vielfaches durch Ermin Mahmić verstärkt. Defizitär könnte man meinen, sind wir lediglich im Backup auf der Außenverteidigerposition – denn Emir Karić ist in die MLS gewechselt, welcher den oft verletzungsanfälligen Sead Kolašinac hätte ersetzen können.
Auch hinter Amar Dedić ist unser Backup Amar Memić, welcher auf dieser Position nicht in seiner natürlichen Rolle sich wiederfindet.
Die aber wohl größte “Problemzone” dürfte wohl die Torwartposition sein. Nikola Vasilj, welcher seine Defizite beim Spiel am Ball hat, wechselte diesen Sommer für einen großen Vertrag nach Saudi Arabien zu Al-Diriyah. Martin Zlomislić (Qarabag Agdam) und Osman Hadžikić (Honved) durften in der Vorbereitung erst mal von der Bank aus starten.
Die Position, die Spiele entscheiden kann, sieht allerdings nicht ganz so schwarz aus, wie es sich vermuten lässt.
Wir haben einen Überblick über die derzeit größten Talente auf dieser Position, die eventuell in Frage kommen könnten.
Salko Hamzić (WSG Tirol), 19 Jahre alt

Das wohl größte Talent derzeit, welches auch erstmals Profi-Erfahrung gesammelt hat, dürfte Salko Hamzić sein. Ausgebildet in der Jungbullen Akademie (Red Bull Salzburg) befand er sich letztes Jahr bereits im Profikader als Ersatztorwart. Nach dem Abgang von Alexander Schlager setzt aber der Red Bull Salzburg wohl eher auf Zawieschitzky, weswegen man Hamzić verkauft hat, um ihm Spielzeit zu gewähren.
Im ersten Spiel gegen den SK Sturm Graz (1:1) konnte Hamzić sich durch mehrere Paraden auszeichnen und sicherte sich den Titel “Man of the Match”.
Kontakt zwischen dem ÖFB und Hamzić hat es wohl bereits gegeben, so steht dieser sehr hoch auf der Liste von Nationaltrainer Ralf Rangnick. Ob Sergej Barbarez in Zukunft mit ihm rechnen könnte, wird die Zukunft zeigen. Einen bosnischen Pass hätte er bereits.
Mladen Jurkas (Borac Banja Luka), 18 Jahre alt

Mladen Jurkas hat wohl am meisten vom Verletzungspech von Hadžikić profitiert – Nationaltrainer Sergej Barbarez nahm diesen als dritten Torwart mit zur Weltmeisterschaft. Sichtlich erfreut, Teil dieser Truppe zu sein, zeigte sich auch Jurkas gegenüber den Medien, bei denen er erwähnte, er wäre “mehr als stolz, sein Land zu repräsentieren”.
Jurkas ist absoluter Stammspieler beim Meister Borac Banja Luka. Gemeinsam mit Matej Deket repräsentiert er auch eine goldene Generation an jungem Talent, welches ihren Weg in die Nationalmannschaft finden könnte. Da Jurkas derzeit noch kein Spiel bei uns absolviert hat, aber sich im Kader befand, ist er mittlerweile wohl die realistischste Option, eines Tages Nikola Vasilj zu ersetzen.
Zuletzt wurde er mit dem NEC Nijmegen in Verbindung gebracht – ein Transfer kam bisher nicht zu stande.
Amil Šiljević (Eintracht Frankfurt U19), 19 Jahre alt

Das derzeit am heißesten diskutierte Talent ist Amil Šiljević. Der 19-jährige bosnische Torwart läuft derzeit für die U19 von Eintracht Frankfurt auf und wurde zu den Vorbereitungen mit der Profimannschaft mitgenommen. Er gehört inzwischen fest zur Trainingsgruppe der Profis, spielt aber weiterhin parallel für die U21 um regelmäßige Spielpraxis zu sammeln.
Zuletzt verlängerte dieser seinen Vertrag mit Eintracht Frankfurt bis 2029, wobei hier klar wird, dass Frankfurt in ihm einen Hoffnungsträger für die Zukunft sieht.
Sein größtes Manko bisher? Er hat noch keine Minute im Profifußball sammeln dürfen. Es bleibt abzuwarten, ob Šiljević das Maximum aus seinem Talent herausholen kann.
Tarik Karić (Raków), 20 Jahre alt

Ebenfalls jemand, der sich bereits in die Augen von Barbarez gespielt hat. Tarik Karić wurde als möglicher Ersatztorwart im erweiterten WM-Kader präsentiert. Der junge 20-jährige Torwart lief zu dem Zeitpunkt allerdings für Velež Mostar auf, wo er regelmäßige Einsätze als Stamm-Nummer 1 erhielt.
Dies zog die Aufmerksamkeit von Raków auf sich. Die Polen sind dafür bekannt, große Hoffnungen in bosnisch-herzegowinische Torhüter zu stecken. Zuletzt gab man die Chance auch Muhamed Šahinović, welcher von FK Sarajevo damals zu Raków wechselte, wobei dieser sich dort keinen Stammplatz erspielen konnte.
Prominenteres Beispiel: Vladan Kovačević. Der ehemalige in der A-Nationalmannschaft nominierte Torwart konnte sich durch seine Spiele bei Raków einen Transfer zu Sporting Lissabon verdienen. Nachdem dieser aber öffentlich bekannt gab, dass er für Serbien spielen wollte und sogar mit NFSBiH vor Gericht landete, erübrigt sich sein künftiger Einsatz für die Nationalmannschaft wohl.
Ob Karić bei Raków zum Zug kommt, bleibt ebenfalls abzuwarten. In der bisherigen Europa-Qualifikation saß er lediglich auf der Bank.
Sichtlich ist, dass unsere Nationalmannschaft und allen voran Emir Spahić an einer Lösung für die Torwartposition finden müssen, was aber entgegen der vorherigen Scoutingabteilung, kein Problem darstellen wird.



