Am Vortag des WM-Playoff-Finals gegen Italien nahm sich auch Kapitän Edin Džeko Zeit für die Journalisten und ließ dabei kaum eine Frage unbeantwortet. Der 40-Jährige zeigte sich gewohnt offen, selbstsicher und mit dem ein oder anderen spitzen Kommentar in Richtung der Azzurri.
Die Dimarco-Affäre: „Man muss heute klüger sein mit Social Media”
Vor der Pressekonferenz hatte die Nachricht für Aufsehen gesorgt, dass Italiens Linksverteidiger Federico Dimarco in sozialen Netzwerken seine Freude darüber gezeigt hatte, im Finale auf Bosnien statt auf Wales zu treffen. Džeko kommentierte das gelassen: Er habe nichts dagegen, dass jeder seine Präferenzen habe. Wichtig sei jedoch, im Zeitalter sozialer Medien vorsichtiger zu sein, denn eine ganz normale Reaktion könne sich schnell in etwas Größeres verwandeln.
Italiens Angst vor Wales? Ein schlechtes Zeichen
Den Umstand, dass sich die Italiener offenbar über das Los gegen Bosnien gefreut hätten, wollte Džeko nicht unkommentiert lassen: Wer sich vor Wales fürchte, bei dem stimme etwas nicht. Bosnien sei kein einfacher Gegner – und die Italiener wüssten das genau.
„Ihnen fehlen Totti und Del Piero”
Auf die Frage, was der italienischen Nationalmannschaft derzeit fehle, gab Džeko eine ehrliche Einschätzung: Er kenne und liebe den italienischen Fußball, habe neun Jahre dort verbracht. Aber die Qualität von früher sei schlicht nicht mehr da. Namen wie Totti oder Del Piero seien durch nichts zu ersetzen. Das sei auch der Grund, warum Italien zuletzt zwei große Turniere verpasst habe.
Bekannte Gesichter auf beiden Seiten
Džeko betonte, er kenne die meisten italienischen Stammspieler gut aus seiner Zeit bei Roma, Inter und in der Serie A. Beide Seiten hätten sich intensiv analysiert – und die Italiener würden Bosnien keinesfalls unterschätzen, vor allem nach der Dimarco-Kontroverse.
Der Sieg in Wales und das Vertrauen in Demirović
An das Spiel in Cardiff wollte Džeko eigentlich nicht zurückdenken – doch mit einem Lächeln schilderte er, wie das Selbstvertrauen der Mannschaft gewachsen sei. Als er beim Elfmeterschießen gesehen habe, dass Kerim Alajbegović der letzte Schütze sei, habe er keine Sekunde gezweifelt. Der junge Spieler habe diese innere Stärke und dieses Selbstvertrauen, das einen großen Spieler ausmache.
Was Ermedin Demirović betrifft, der im Halbfinale einige Chancen ausgelassen hatte, war Džeko klar und direkt: Jeder Spieler verpasst mal eine oder zwei Chancen. Das Schöne am modernen Fußball sei, dass nach wenigen Tagen schon das nächste Spiel komme. Die gesamte Mannschaft glaube an Demirović – genauso wie er an sich selbst glaube.
Ein taktisches Finale erwartet
Džeko erwartet morgen kein offenes Spektakel, sondern ein taktisch geprägtes Duell. Angesichts des riesigen Einsatzes auf beiden Seiten – beide Mannschaften haben die letzten zwei großen Turniere verpasst – werde jede Seite von der ersten Minute an sehr vorsichtig agieren.
Solange es Spaß macht, bin ich dabei
Auf die Frage, was ihn mit 40 Jahren noch antreibe, antwortete Džeko schlicht: Solange er auf dem Platz stehe, bedeute das, dass er sich wohlfühle und Freude am Fußball habe. Er hätte im Laufe seiner Karriere mehr Geld verdienen können – aber er habe sich bewusst entschieden, in Europa zu spielen und das Beste aus sich herauszuholen. Für morgen habe er nur einen Wunsch: alles geben und auf ein gutes Ergebnis hoffen.



