Am Tag vor dem WM-Playoff-Finale gegen Italien trat Nationaltrainer Sergej Barbarez vor die Medien. Gemeinsam mit Kapitän Edin Džeko stellte er sich den Fragen der Journalisten und lieferte dabei einige bemerkenswerte Aussagen.
Gesundheitszustand der Mannschaft
Barbarez begann die Pressekonferenz mit einem Schmunzeln: Abgesehen davon, dass er selbst seine Stimme verloren habe, sei die gesamte Mannschaft fit. Die Vorbereitung sei intensiv gewesen, doch alle Spieler seien bereit und voller Vorfreude auf das Spiel.
Keine Ablenkung durch Gegner-Analysen
Auf die Frage, ob die Italiener die Zmajevi analysiert hätten und sich vor ihnen fürchten, antwortete Barbarez klar: Ihn interessiere nicht, was der Gegner über Bosnien denke oder sage. Sein gesamter Fokus liege auf der eigenen Mannschaft, dem eigenen Spielstil und der eigenen Taktik. Beide Seiten würden sich gegenseitig beobachten – damit ende die Geschichte.
Vergleich mit dem Dänemark-Spiel auf dem Koševo
Barbarez wurde gefragt, wie er den damaligen Spieler Barbarez beim emotionalen Heimspiel gegen Dänemark mit dem heutigen Trainer Barbarez vergleiche. Er gab zu, dass das emotionale Niveau ähnlich sei – aber genau darin liege auch eine wichtige Lehre: Damals seien sie zu emotional in das Spiel gegangen, was sich als Nachteil erwiesen habe. Diesen Fehler werde man diesmal nicht wiederholen. Zum Kommentar des italienischen Fußballlegendärs Francesco Totti, wonach die Azzurri in Zenica „siegen oder sterben” müssten, meinte Barbarez gelassen: Solche emotionalen Aussagen kenne man. Wichtig sei, dass das Spiel für beide Seiten enorm viel bedeute – für Bosnien vielleicht noch etwas mehr, denn es gehe nicht nur um Fußball, sondern manchmal auch um den Zustand des Staates.
Der Weg von „faul” zu „fleißigste Mannschaft”
Wie konnte sich die Mannschaft von einer Truppe, die kaum lief, zu einer entwickeln, die Wales in der Laufleistung übertraf? Barbarez erklärte, dass dies von Anfang an das erste Ziel gewesen sei: Laufbereitschaft und Intensität zurückbringen. Das hänge mit der Spielerauswahl, dem System und dem mentalen Willen zusammen. Beim Spiel in Wales hätten fünf Spieler Krämpfe gehabt – und keiner wollte ausgewechselt werden. Diesen Willen sehe er als seinen größten Erfolg als Trainer. Ohne diese Grundlage könne eine kleine Nationalmannschaft wie Bosnien keine großen Ziele anstreben.
Taktik für morgen
Auf die Frage nach dem Spielplan verriet Barbarez mit einem Augenzwinkern: Führen sie 1:0, parken sie den Bus vor dem eigenen Tor. Liegen sie zurück, parken sie ihn beim Gegner. Doch eigentlich wolle er abwarten, wie sich das Spiel entwickle und dann reagieren. Viel wichtiger als Taktik sei ihm jedoch etwas anderes: die Liebe, die zwischen der Nationalmannschaft und dem Land wieder erwacht sei. Nicht mehr nur passive Unterstützung, sondern echte Zuneigung. Das bezeichnete Barbarez als seinen größten Erfolg – alles andere sei die Kirsche auf der Torte.
Aufstellung bleibt geheim
Ob es Änderungen in der Startelf geben werde, ließ Barbarez aber wie gewohnt offen. Man werde nicht viel verändern. Anderthalb Jahre spiele man im selben System – warum das jetzt aufgeben? Das Ziel sei, dass der Gegner mehr über Bosnien nachdenken müsse als umgekehrt.



