Wednesday, April 22, 2026
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Misimović bei Sky: Ich hatte alles für die deutsche Einbürgerung bereit, aber dann hat mein Vater ein Machtwort gesprochen

Heute war Zvjezdan Misimović, ehemaliger Sportdirektor der bosnischen Nationalmannschaft und früherer Fußballprofi, zu Gast bei Sky. In einem ausführlichen Interview sprach er über die aktuelle Lage des bosnisch-herzegowinischen Fußballs, die Herausforderungen des Umbruchs und seine persönliche Verbindung zu Deutschland.

„Ein besonderes Spiel für unser Land“

Auf die Frage, ob das Spiel gegen Deutschland für ihn als ehemaligen Spieler „in den Füßen jucke“, antwortete Misimović:
„Jucken würde ich nicht sagen. Es ist für unser Land natürlich etwas Besonderes. Wir freuen uns auf das Spiel.“

Das morgige Duell gegen Deutschland, das Hinspiel hatte Bosnien knapp mit 1:2 verloren, sieht Misimović als Möglichkeit, erneut ein gutes Bild abzugeben. „Wir wollen uns wie im Hinspiel gut verkaufen. Damals haben wir das Spiel lange offen gehalten. Deutschland war dezimiert, und zu Hause werden sie noch mehr das Spiel bestimmen wollen. Unser Ziel ist es, das 0:0 so lange wie möglich zu halten.“

Bosnien im Umbruch – schwierige Zeiten für den Fußball

Zur generellen Situation des bosnischen Fußballs fand Misimović klare Worte:
„Es ist schwierig, schwierig. Wir haben bewusst einen neuen Weg gewählt und mit Sergej Barbarez einen Trainer verpflichtet, der mutig den Umbruch eingeleitet hat. Die Mannschaft wurde komplett auf den Kopf gestellt, viele junge Spieler sind jetzt dabei.“

Dass dieser Prozess Zeit braucht, zeigt auch die Nations-League-Kampagne, in der Bosnien gegen Hochkaräter wie Deutschland, die Niederlande und Ungarn antreten musste. „Wir wussten, dass es in der A-Gruppe schwer werden würde. Die Spieler konnten wertvolle Minuten sammeln, aber an der Tabellensituation sieht man, dass wir noch nicht bereit für diese Ebene sind.“

Edin Džeko als unverzichtbarer Leader

Auch im Sturm hat der Umbruch noch nicht vollständig gegriffen, was die Abhängigkeit von Edin Džeko verdeutlicht. „Edin ist eine Legende in Bosnien. Er spielt selbst in seinem Alter noch auf einem sehr hohen Niveau bei Fenerbahçe Istanbul und macht weiter seine Tore. So einen Spieler braucht man als Leader, und er ist schwer zu ersetzen.“

Die Entscheidung für Bosnien – und ein Blick zurück

Im Gespräch kam auch die Frage auf, warum Misimović sich damals für Bosnien und nicht für Deutschland entschieden hat, obwohl er aus München stammt und ausschließlich für deutsche Vereine gespielt hat. Seine Antwort:
„Ich hatte die Papiere zur Einbürgerung für die deutsche Nationalmannschaft schon abgegeben. Wir haben uns im Familienkreis zusammengesetzt, und dann hat mein Vater das Machtwort gesprochen: Ich solle für das Heimatland spielen.“

Ob er rückblickend lieber für Deutschland gespielt hätte, entgegnete Misimović diplomatisch: „Deutschland ist für mich Heimat. Im Nachhinein ist man immer etwas schlauer, es hätte vielleicht anders laufen können. Aber ich bereue den Schritt nicht.“

Langfristige Ziele: EM 2028 realistischer als WM 2026

Auf die Frage nach den Zielen der bosnischen Nationalmannschaft erklärte Misimović, dass die WM 2026 angesichts der aktuellen Tabellensituation ein schwieriges Ziel sei. „Die EM 2028 ist wohl realistischer. Allerdings müssen wir auch da die Gruppenauslosung abwarten, denn erfahrungsgemäß landen einige Hochkaräter in unserer Gruppe.“

Deutscher Fußball auf gutem Weg

Abschließend richtete Misimović den Blick auf die deutsche Nationalmannschaft, die ebenfalls im Umbruch steckt. „Ich sehe gute Chancen für Deutschland, vor allem für die WM 2026. Bei der EM 2024 ist man gegen Spanien unglücklich ausgeschieden – für mich war das schon das vorgezogene Finale. Ich denke, Deutschland ist auf einem sehr guten Weg.“

Mit einer Mischung aus Realismus und Optimismus blickt Zvjezdan Misimović auf die Zukunft des bosnischen Fußballs – und auf ein besonderes Duell gegen seine zweite Heimat.

Das Duell gegen die deutsche Nationalmannschaft findet am morgigen Freitag um 20:45 im Europa-Park-Stadion in Freiburg statt.

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